<br />
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	<description>Die Mittelalterlichen Wandmalereien der Klosterkirche St. Johann zu Müstair</description>
	<pubDate>Thu, 29 Jul 2010 18:16:31 +0000</pubDate>
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		<title>Ueber Luzius zu Remedius?</title>
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		<pubDate>Sat, 01 May 2010 15:08:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marese Sennhauser</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Müstair]]></category>

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		<description><![CDATA[Gegen Ende des 8.Jahrhunderts wurde in Chur und vermutlich auch andernorts neu das Fest des heiligen Lucius/Luzius liturgisch gefeiert. Zu diesem Anlass hat ein sehr gebildeter Kleriker eine Vita des Heiligen in Form einer Predigt verfasst. Vermutlich wurde sie zur raschen Verbreitung des (neuen?) Kultes mehrfach abgeschrieben und durch Boten weitherum versandt. Der Autor dieser [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gegen Ende des 8.Jahrhunderts wurde in Chur und vermutlich auch andernorts neu das Fest des heiligen Lucius/Luzius liturgisch gefeiert. Zu diesem Anlass hat ein sehr gebildeter Kleriker eine Vita des Heiligen in Form einer Predigt verfasst. Vermutlich wurde sie zur raschen Verbreitung des (neuen?) Kultes mehrfach abgeschrieben und durch Boten weitherum versandt. Der Autor dieser wohl ad hoc erfundenen Lebensbeschreibung ist ziemlich sicher Remedius, der damalige Bischof von Chur gewesen. Solche Viten folgen meistens einem Klischee und verraten deshalb mehr &#252;ber den Autor als &#252;ber den gefeierten Heiligen. Ich habe mir den Text genau angesehen und bin zu teilweise anderen Resultaten gekommen als seinerzeit der Disentiser Pater Iso M&#252;ller. Mir scheint, dass des Remedius eigener Lebensweg in der langen Einleitung darin angesprochen wird. Aehnliches hat 1950/51 Heinz L&#246;we zu der von Arbeo von Freising verfassten Vita des heiligen Corbinian gesagt.</p>
<p>In der Conversio vel Vita Sancti Lucii gibt es ein einziges Wunder: Es lebten damals &#8220;wilde&#8221;, zottige Wasserb&#252;ffel in der Gegend der Luziensteig, zwischen Balzers und Maienfeld, am Weg von Bregenz &#252;ber Chur nach Italien. (Paulus Diaconus berichtet in seiner Historia Langobardorum, dass solche frei lebende &#8220;bubali&#8221; Ende des 6. Jahrhunderts aus Italien ins Alpenland eingef&#252;hrt worden sind und dort furchtsam bestaunt wurden). Lucius begab sich nun mit seinen st&#228;dtischen Begleitern dorthin um die abergl&#228;ubische Landbev&#246;lkerung aufzukl&#228;ren. Diese f&#252;rchtete und verehrte die frei lebenden &#8220;G&#246;tterk&#228;lber&#8221; und ging aufgebracht auf den Heiligen los. Die ins Heidentum zur&#252;ckgefallenen Bauern warfen den gegen den Tierkult predigenden Missionar in die Wassergrube eines Brunnenhauses um ihn dort zu steinigen und so zu ertr&#228;nken. Er wurde aber durch seine christlichen Begleiter heraufgezogen und fuhr sogleich in seiner Predigt fort. Er betete um Vernichtung der d&#228;monischen &#8220;G&#246;tterk&#228;lber&#8221;, aber diese waren stehen geblieben und kamen nun zu ihm um ihm dem&#252;tig die F&#252;sse zu lecken. Dann liessen sie sich willig als Zugtiere vor einen Wagen spannen und verloren von jetzt an ihre Scheu vor den Menschen. Lucius aber wurde im Triumph nach Chur zur&#252;ckgef&#252;hrt. Die Lucius-Bilder sind Teil des Gesamtprogrammes, das den ewigen himmlischen Lobgesang zu Ehren des dreieinigen Gottes zum Thema hat. Datierung: Ende 8. und Anfang 9.Jh.</p>
<p>Da ich zur bildlichen Umsetzung der Luziuslegende letztes Jahr einen Dia-Vortrag vorbereitet hatte, der wegen Vertagung eines Treffens in St.Prokulus in Naturns nicht gehalten werden konnte, stelle ich hier die Hauptszenen mit meiner neuen Interpretation vor, allerdings ohne mich n&#228;her dazu zu &#228;ussern. Ich glaube n&#228;mlich nicht, dass die Szenen eigens f&#252;r Naturns entworfen worden sind, da sie mit M&#252;he den engen Raumverh&#228;ltnissen angepasst wurden. Bild- und Literaturbelege sind vorhanden. Ich warte nun auf eine Gelegenheit meine &#220;berlegungen zu Lucius, zur Luziensteig, zu Chur und zur Person des Bischofs Remedius zur Diskussion zu stellen.</p>
<p><img alt="Naturns Rinderherde" src="http://www.al-fresko.ch/wp-content/uploads/2010/05/naturnsrinderherde-1.jpg" width="90" height="135" /> B&#252;ffelk&#252;he an der Westwand in St.Prokulus, Naturns, um 800 (?)</p>
<p><img alt="Naturns Rinderherde Kalb" src="http://www.al-fresko.ch/wp-content/uploads/2010/05/naturnsrinderherdekalb.jpg" width="90" height="64" /> ein d&#228;monisches (herausgestreckte Zunge!) B&#252;ffelkalb an der Spitze der Herde</p>
<p><img alt="Naturns Schaukler" src="http://www.al-fresko.ch/wp-content/uploads/2010/05/naturnsschaukler-1.jpg" width="225" height="325" /> St.Prokulus, Naturns, S&#252;dwand, links von der wieder hergestellten seitlichen Eingangst&#252;r: Der aus der Wassergrube heraufgezogene Lucius ruft zum Gebet. Die B&#252;ffelk&#228;lber muss man sich weiter unten vorstellen. Der perspektivische M&#228;ander wurde wohl sp&#228;ter hinzugef&#252;gt als die fussleckenden K&#228;lber verblasst waren und als das Luciuspatrozinium nicht mehr aktuell war.</p>
<p>Literaturhinweise:</p>
<p>Iso M&#252;ller, Die karolingische Luciusvita, S.1-51 im 85. Jb der Hist.-Antiqu. Gesellschaft von Graub&#252;nden 1955, Chur 1956 (Nachdruck in &#8220;Fr&#252;hes Mittelalter in Graub&#252;nden und der Schweiz&#8221;, Ausgew.Aufs&#228;tze, Ed.H.D.Altendorf, Disentis 2001)</p>
<p>Albert Gasser, Die Lucius-Vita, &#252;bersetzt und kommentiert. Disentis 1984 (vergriffen)</p>
<p>Nothdurfter, Hans, St.Prokulus in Naturns, Lana 1996 (dort weitere Literatur. Es gibt bis heute unz&#228;hlige Meinungen zur Ikonographie und zum Stil dieser merkw&#252;rdigen Fresken)</p>
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		<title>Remigius/Remedius/Romedi: Mutmassungen &#252;ber einen Bischof</title>
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		<pubDate>Mon, 12 Apr 2010 17:03:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marese Sennhauser</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Müstair]]></category>

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		<description><![CDATA[
Remedius,der Stifter der neuen Innenausstattung der Friedhoskirche St.Benedikt in Mals,die er nach 784 als Memorie f&#252;r den 784 bei Bozen im Kampf gegen die Baiern get&#246;teten alemannisch-fr&#228;nkischen Edlen, Dux Hrodpert von Trient, herrichten liess.Er war damals seit kurzem Bischof und Rector von Churr&#228;tien, das auch den Vinschgau umfasste.
Vom Bischof Remedius von Chur sind nur wenige [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img alt="mals stifterportr&#228;t0061" src="http://www.al-fresko.ch/wp-content/uploads/2010/04/malsstifterportraet0061.jpg" width="225" height="285" /></p>
<p>Remedius,der Stifter der neuen Innenausstattung der Friedhoskirche St.Benedikt in Mals,die er nach 784 als Memorie f&#252;r den 784 bei Bozen im Kampf gegen die Baiern get&#246;teten alemannisch-fr&#228;nkischen Edlen, Dux Hrodpert von Trient, herrichten liess.Er war damals seit kurzem Bischof und Rector von Churr&#228;tien, das auch den Vinschgau umfasste.</p>
<p>Vom Bischof Remedius von Chur sind nur wenige Fakten bekannt: Remedius, um 800 Bischof und Landesherr von Chur . So steht es in der Homepage des Bistums, obwohl in manchen historischen und kunsthistorischen B&#252;chern und Zeitschriftenartikeln nebenbei von ihm die Rede war. Ich habe in den rund f&#252;nfzig Jahren meiner weiterf&#252;hrenden Studien &#252;ber die karolingischen Fresken in der Klosterkirche von M&#252;stair viel &#252;ber ihn nachgedacht, habe Fakten zusammengetragen und Vermutungen angestellt. Da mir wenig Zeit mehr bleibt um auch die Seitenwege meiner Forschungen zu den Bilderzyklen in St.Johann zu publizieren, m&#246;chte ich die Ergebnisse meiner Suche nach der Pers&#246;nlichkeit des unbekannten Bischofs wenigstens in meinem Blog zur Diskussion stellen. <strong>Hier zun&#228;chst die sicheren Fakten:</strong></p>
<p><span id="more-283"></span>
<p>Als amtierender Bischof ist Remedius mindestens 5 mal schriftlich genannt.</p>
<p>-In den zwischen 794 und 800 geschriebenen Briefen von Karls des Grossen Ratgeber Alkuin, Abt von Tours.</p>
<p>-Im Memento der Lebenden im Messkanon des fr&#252;hkarolingischen Sakramentars Sang. 348<br />
das er anfangs der 780er Jahre in einem der Hofschulskriptorien vor seiner Versetzung nach Chur herstellen liess (evtl selber gschrieben?)<br />
-In einer Liste von lebenden Bisch&#246;fen, die zirka 813/14 im &#228;ltesten Teil des Memorialbuches von St.Gallen eingetragen ist.<br />
-Im &#228;ltesten erhaltenen Eintrag im sogenannten Liber Viventium von Pf&#228;fers, das vor seiner Umnutzung als Traditionscodex der Abtei Pf&#228;fers wohl der pers&#246;nliche Liber Vitae des Remedius war. Dieser Eintrag mit einem Herrscherdiptychon der Karolinger ist 819/20 zu datieren und ist auf der Reichenau oder in Aachen get&#228;tigt worden.</p>
<p>-Und schliesslich mit dem Todestag des Bischofs Remedius im Nekrolog des Bischofssitzes Chur, lautend auf den 27. Juni 820.</p>
<p><strong>Alles weitere bleibt vorl&#228;ufig nur Vermutung, wenn ich auch triftige Gr&#252;nde angeben und auf neueste Literatur verweisen k&#246;nnte:<br /></strong>Remedius stammte m&#246;glicherweise aus einer Nebenlinie der Karolinger und war ein (illegitimer) Nachkomme Karl Martells. Er war also ein Vetter Karls des Grossen und des Abtes Adalhard von Corbie. Remedius von Rouen war wohl sein Pate, vielleicht sogar sein Vater. Er hatte Besitz im Burgund und in der Provence und wohl auch im Elsass.</p>
<p>Seine Jugendjahre k&#246;nnte er in Langres oder in Dijon, vielleicht auch im Elsass verbracht haben, m&#246;glicherweise als M&#246;nch in der k&#246;niglichen Abtei M&#252;nster im Gregoriental (monasterium confluentes an der Fecht). Von dort aus kam er sehr wahrscheinlich in die Hofkapelle Karls des Grossen, die damals an wechselnden Orten residierte. Dort traf er mit den von Karl aus Oberitalien berufenen Gelehrten und auch mit Alkuin zusammen. Leiter war damals Angilram von Metz.</p>
<p>Nun folgt eine neue Vermutung von mir: sollte er sich vor 806 von den politischen Gesch&#228;ften belastet zeitweilig in eine Einsiedelei bei Sanzeno am Nonsberg zur&#252;ckgezogen haben? Er h&#228;tte dann mit Billigung Karls des Grossen einen Chorepiscopus bestellt, den sp&#228;teren Victor III. Wenn das stimmt, so ist er mit dem bis heute im S&#252;dtirol verehrten St. Romedi identisch.</p>
<p>Nach dem versuchten Aufstand und dem tragischen Tod des jungen Bernhard, des K&#246;nigs von Italien, im Jahr 818, h&#228;tte der schon bejahrte Remedius/Romedi sein bisch&#246;fliches Memorialbuch, den noch wenig benutzten sogenannten &#8220;Liber Viventium von Pf&#228;fers&#8221; eilig umgestaltet und h&#228;tte sich nach Aachen zu Kaiser Ludwig und seiner neuen Gemahlin Judith begeben. Dort kamen 819/20 einige hohe Geistliche zusammen um Ludwig zu einem Bussakt wegen dem Tod seines Neffen zu bewegen. Vielleicht ist Remedius auf der R&#252;ckreise am 27.Juni 820 gestorben und in seiner einstigen Stiftung im Frauenkloster Eschau bestattet worden? Von dort w&#228;ren dann sp&#228;ter seine sterblichen &#220;berreste nach Churr&#228;tien und ins S&#252;dtirol zur&#252;ckgebracht und im 12. Jh. als Reliquien verteilt geworden. Soviel ich weiss, existiert n&#228;mlich kein Remediusgrab in der Bischofsgruft von Chur.</p>
<p>Meine Fr&#252;hdatierung der Fresken in M&#252;stair und in St.Benedikt von Mals beruht auf meiner Annahme, dass die Ausstattung der Malser Kirche als Memorie f&#252;r Hrodbert, den Dux von Trient gedacht war, und dass sie vom damaligen Landesherrn von Churr&#228;tien, Remedius veranlasst wurde. Das habe ich vor vier Jahren schon <a href="http://www.al-fresko.ch/2006/08/25/die-muestair-fresken-neue-voraussetzungen/">(siehe hier)</a>, allerdings noch nicht so klar gesehen: Die Bilder dazu sind hier <a href="http://home.snafu.de/tilmann.chladek/Seiten/StBenedikt05.html">Mann mit dem Schwert</a> zu finden. Es handelt sich wohl um einen von Karl dem Grossen als Sch&#252;tzer der Alpenp&#228;sse berufenen Udalrichinger aus dem Bodenseegebiet: Hrodbert, einen Onkel der K&#246;nigin Hildegard und Grossonkel von Ludwig dem Frommen (Tellenbach und -z&#246;gerlich - auch Michael Borgolte)</p>
<p>Es w&#252;rde mich freuen, wenn meine Ausf&#252;hrungen zu einer Diskussion unter den z&#252;nftigen Historikern f&#252;hren w&#252;rde.</p>
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		<title>Das &#8220;Churer&#8221; Remedius-Sakramentar stammt urspr&#252;nglich nicht aus Chur</title>
		<link>http://www.al-fresko.ch/2010/03/28/das-churer-remedius-sakramentar-stammt-urspruenglich-nicht-aus-chur/</link>
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		<pubDate>Sun, 28 Mar 2010 11:03:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marese Sennhauser</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Chur]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Remedius hat das Churer Sakramentar nach Chur mitgebracht - und es nicht dort geschrieben.</p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.al-fresko.ch/wp-content/uploads/2010/03/inkunabel-gross.jpg"><img alt="Inkunabel gross" src="http://www.al-fresko.ch/wp-content/uploads/2010/03/inkunabel-gross-small.jpg" width="450" height="440" /></a></p>
<p><small>Initiale E zum &#8220;Exultet&#8221; am Karsamstag im Osternachtsgottesdienst: Exsultet iam angelica turba caelorum, exultent divina mysteria (jubeln soll die Schar der Engel im Himmel …). P. 154 im Codex Sangall.348 (CLA VII 936)</small></p>
<p>Irren ist menschlich: Die Behauptung, dass das Remedius-Sakramentar um 800 f&#252;r den Bischof von Chur im dortigen Skriptorium geschrieben worden sei, ist wohl ein Irrtum.</p>
<p>
Das in fr&#252;hkarolingischer Minuskel geschriebene und wundersch&#246;n mit farbigen Initialen in s&#252;denglischem Stil geschm&#252;ckte Messbuch hat zwar dem Churer Bischof Remedius (ca 785 - 820) geh&#246;rt, aber es war urspr&#252;nglich f&#252;r eine andere Bischofskirche gedacht und ist deshalb etwas fr&#252;her zu datieren. Es gilt als ein Hauptwerk der in Chur gepflegten r&#228;tisch-karolingischen Minuskel. Diese fr&#252;hkarolingische Schrift ist nach B.Bischoff derjenigen der fr&#252;hen Hofschule Karls des Grossen verwandt, die in Weissenburg, Metz und Lorsch ihre Schreibstuben unterhielt, bevor sie Mitte der 790 Jahre einen festen Wohnsitz in Aachen bezog.</p>
<p>Es ist dies, neben manch anderen, ein weiterer Hinweis daf&#252;r, dass Remedius in seiner Jugend ein Mitglied der Karlschen Hofkapelle war. Ich bin nach langer eingehender Besch&#228;ftigung mit dem Remediussakramentar davon &#252;berzeugt, dass dieser Codex nicht f&#252;r Chur geschaffen worden ist, sondern vielleicht f&#252;r Strassburg, wo die Kathedrale ebenfalls der Muttergottes geweiht war. Vielleicht sollte man die Urkunde, die von der Uebergabe des Klosters Eschau an das Marienm&#252;nster von Strassburg handelt nochmals genau untersuchen?</p>
<p><span id="more-269"></span>
<p>Er geh&#246;rt jedenfalls einem Sakramentartypus an, der auf einen Archetyp zur&#252;ck geht, der nach A.Angenendt in der burgundischen Abtei Flavigny um 760 zusammengestellt worden ist und als Gelasianum mixtum oder als Sakramentar des K&#246;nigs Pippin bezeichnet wird. Man kann nun Vermutungen aller Art anstellen, wie das Buch schliesslich nach Raetien und zuletzt nach St.Gallen gekommen ist. Hat Remedius es noch unvollendet mitgenommen als er etwa 784 nach Chur gesandt oder berufen wurde? Oder wurde ein Teil davon entfernt und durch beliebig verwendbare Formulare ersetzt? Es wurde jedenfalls sowohl im Schrifttyp als auch in den Schmuckformen zu einem Musterexemplar f&#252;r das bisch&#246;fliche Skriptorium in Churr&#228;tien, wo auch der Liber Viventium &#8220;von Pf&#228;fers&#8221; als pers&#246;nliches Memorialbuch f&#252;r den Bischof entstand, und es wurde wohl dort im Gottesdienst gebraucht. Aber es ist nicht als das Sakramentar der Kathedrale von Chur geschaffen worden. Jedenfalls sucht man darin vergeblich nach typisch r&#228;tischen Formularen und es gibt auch keinen Gedenktag f&#252;r den Churer Patron, den heiligen Lucius, f&#252;r dessen Gebeine schon im fr&#252;hen 8.Jahrhundert eine Ringkrypta angelegt worden sein soll.</p>
<p>Fazit:</p>
<p>Das Remedius-Sakramentar ist also nicht wie meist angenommen kurz vor 800 geschaffen worden, sondern etwa zwanzig Jahre fr&#252;her. Es w&#228;re somit ein Werk aus dem Umkreis der karolingischen Hofschule und fast gleichzeitig mit dem Godescalc-Evangelistar aus dem Jahr 783. Der Codex Sangall. 348 ist allerdings noch im alten Stil rein ornamental geschm&#252;ckt; innovativ antikisierend ist er nur in den &#8220;r&#246;mischen&#8221; Lagenbezeichnungen (Kustoden). F&#252;r mich ist er besonders kostbar in meinem Bem&#252;hen der Pers&#246;nlichkeit und der Herkunft des Bischofs Remedius n&#228;her zu kommen.</p>
<p>A.Angenendt, Das Fr&#252;hmittelalter, Stuttgart 1995, 3.Aufl., S.329</p>
<p>B.Bischoff, Panorama der Handschriften&#252;berlieferung, in Karl derGrosse Bd II, D&#252;sseldorf 1965, S.235/245</p>
<p>K.Mohlberg, Das fr&#228;nkische Sacramentarium Gelasianum Cod.Sangall 348, M&#252;nster Wf 1939</p>
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		<title>Ankunft des Christus Logos zur Inkarnation</title>
		<link>http://www.al-fresko.ch/2008/12/23/ankunft-des-christus-logos-zur-inkarnation/</link>
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		<pubDate>Tue, 23 Dec 2008 20:02:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marese Sennhauser</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Müstair]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Klosterkirche von M&#252;stair ist eine Weihnachtskirche! Das Apsisbild zeigte urspr&#252;nglich die Ankunft des ewigen Gottessohnes, des Christus Emanuel und F&#252;rst der Engel, zur Menschwerdung. Das Bild, das Ende des 8. Jahrhunderts in M&#252;stair gemalt wurde, muss auf einen Entwurf aus dem griechisch gepr&#228;gten Teil Italiens zur&#252;ckgehen.
Es ist eine Illustration zu Epiphanias, also zum &#228;lteren [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.al-fresko.ch/wp-content/uploads/2008/12/angelos.jpg"><img height="357" alt="angelos" hspace="5" src="http://www.al-fresko.ch/wp-content/uploads/2008/12/angelos-small.jpg" width="250" align="left" vspace="5" /></a>Die Klosterkirche von M&uuml;stair ist eine Weihnachtskirche! Das Apsisbild zeigte urspr&uuml;nglich die Ankunft des ewigen Gottessohnes, des Christus Emanuel und F&uuml;rst der Engel, zur Menschwerdung. Das Bild, das Ende des 8. Jahrhunderts in M&uuml;stair gemalt wurde, muss auf einen Entwurf aus dem griechisch gepr&auml;gten Teil Italiens zur&uuml;ckgehen.</p>
<p>Es ist eine Illustration zu Epiphanias, also zum &auml;lteren Festdatum, das nicht die Geburt des Kindes feierte, sondern das Geheimnis der Inkarnation des Logos. Eine Fotographie im Archiv des Restaurators beweist, dass zur Zeit der Freilegung der Fresken ein bartloser jugendlicher Christus mit Botenstab und offenem Buch aus der doppelten Mandorla hervorschritt.</p>
<p><span id="more-168"></span>
<p>Er war von einer friedlichen Engelsschar begleitet und von den vier Evangelistensymbolen, die f&uuml;r seine vierfache Aufgabe auf Erden stehen. Leider hat seinerzeit der Restaurator dem Wunsch der Klosterfrauen nachgegeben und hat dem Heiland einen Bart gemalt.</p>
<p>Ich habe mir erlaubt, in der hier gezeigten Aufnahme das b&auml;rtig strenge Haupt durch den Kopf Jesu aus dem Godescalcevangelistar zu ersetzen, einer ins Jahr 783 zu datierenden karolingischen Hofschulhandschrift. - Und schon ist der Charakter des Freskos total ver&auml;ndert!</p>
<p>Jetzt wird deutlich, dass die Darstellung der Mittelapsis die &Uuml;berschrift des ganzen ikonographischen Bildprogrammes sein sollte, das die Erl&ouml;sung mit dem g&ouml;ttlichen Ratschluss der Menschwerdung beginnen l&auml;sst: Gott der Herr erw&auml;hlte nach dem Versagen Sauls den David als K&ouml;nig f&uuml;r sein Volk und bestimmte ihn zum leiblichen Ahnherrn des k&uuml;nftigen Salvators.</p>
<p>Dies ist ein Nachtrag zu dem schon fr&uuml;her Gesagten (siehe im Archiv zu meinem Blog) und eine Einstimmung zum Weihnachtsfest, das wir &uuml;bermorgen, am 25. Dezember 2008, feiern werden. </p>
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		<item>
		<title>Der Davidszyklus von M&#252;stair: Die Bildfelder 1 - 8 an der S&#252;dwand</title>
		<link>http://www.al-fresko.ch/2007/11/12/der-davidszyklus-von-mstair-die-bildfelder-1-8-an-der-sdwand/</link>
		<comments>http://www.al-fresko.ch/2007/11/12/der-davidszyklus-von-mstair-die-bildfelder-1-8-an-der-sdwand/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 12 Nov 2007 14:30:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marese Sennhauser</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Müstair]]></category>

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		<description><![CDATA[Es ist schon einige Zeit vergangen seit meiner Besprechung und Benennung des 1. Bildfeldes aus dem Davidszyklus an der S&#252;dwand der Klosterkirche von M&#252;stair. Ich bitte daher zuerst etwas zur&#252;ckzu bl&#228;ttern, resp. zu scrollen, zum Post vom 3.September 07. Und ich rufe in Erinnerung, dass nach meiner Beobachtung jeweils zwei Bildfelder innerlich zusammengeh&#246;ren. Leider ist [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist schon einige Zeit vergangen seit meiner Besprechung und Benennung des 1. Bildfeldes aus dem Davidszyklus an der S&uuml;dwand der Klosterkirche von M&uuml;stair. Ich bitte daher zuerst etwas zur&uuml;ckzu bl&auml;ttern, resp. zu scrollen, zum Post vom 3.September 07. Und ich rufe in Erinnerung, dass nach meiner Beobachtung jeweils zwei Bildfelder innerlich zusammengeh&ouml;ren. Leider ist diese wichtige Tatsache im Bildband von Goll/Exner aus Gr&uuml;nden des Layouts nicht ber&uuml;cksichtigt: So folgen die erhaltenen Themen einander scheinbar unmittelbar, was einen falschen Eindruck erweckt und die Gr&uuml;nde f&uuml;r die zu erg&auml;nzenden Bildfelder nicht einsichtig macht. Ich stelle in meiner Liste, wo die Nummer der zerst&ouml;rten Bildfelder jeweils in Klammern gesetzt ist, folgende Paare zusammen: 1 und (2): Sauls Verwerfung und Davids Erw&auml;hlung, (3 und 4): David besiegt Goliath, (5) und 6: ein weiteres Fehlverhalten Sauls und Sauls und seiner S&ouml;hne Tod, sowie (7) und 8: David, K&ouml;nig von Juda, trauert um Saul, und die F&uuml;rsten Israels ziehen nach Hebron um David zu huldigen, der jetzt K&ouml;nig &uuml;ber beide Reiche sein soll.</p>
<p><span id="more-162"></span>
<p>Fragmente sind erhalten von Nr.1: Sauls Opfer und Verwerfung, von Nr.6: Saul st&uuml;rzt sich in sein Schwert, und von Nr.8: Iraels F&uuml;rsten kommen zu Pferd nach Hebron, Davids Stadt.</p>
<p>Von Nr. 2, 3 und 4, von denen nichts erhalten ist, meine ich auf Grund einer Predigt im Homiliar des Paulus Diaconus wenigstens das Thema nennen zu k&ouml;nnen: 2.Samuel salbt David (sehr oft dargestellt, sowohl narrativ wie repr&auml;sentativ. hier vermutlich wie vat gr.333)</p>
<p>(Nr.3 u.4. David besiegt Goliath (oder 4: David spielt vor Saul?))</p>
<p>(Nr.5 Saul bedroht David oder: l&auml;sst Abimelech und die Priester t&ouml;ten.) Nr.6. Sauls und seiner S&ouml;hne Tod auf Gilboa.</p>
<p>(Nr.7 Davids Trauer nach seiner Erhebung als K&ouml;nig von Juda) Nr.8 Israels F&uuml;rsten reiten nach Hebron um David zu huldigen. = Zwei Kronen, zwei Reiche, ein Volk Gottes.</p>
<p>Die ganze Reihe handelt von Gottes Ratschluss, von Davids Erw&auml;hlung als leiblicher Stammvater Christi und als sein Typus, und vom K&ouml;nigtum aus Gottes Gnaden. Die Vorbilder entstammen einem sp&auml;tantiken, narrativen Regeszyklus, vermutlich aus dem 6.Jh. nach Urtyp aus dem 4./5.Jh.</p>
<p>Nr 1 und 6 -8 k&ouml;nnen zur Zeit der tats&auml;chlichen Ausf&uuml;hrung des in den 770er Jahren entworfenen Bildprogrammes auch auf Desiderius und Karl den Grossen bezogen werden.</p>
<p>Die erw&auml;hnte Predigt des Pseudo?Chrysosthomos ist nachzulesen in Migne, P.L. Supplementum 4, col. 687-690. unter den Texten des &#8220;Chrysostomus latinus&#8221;. Ebendort steht auch die keinem Autor zugeschriebene Predigt zu Absalom, die den wohl nach 792 gemalten Szenen an der M&uuml;stair Nordwand zugrunde liegt: Migne, P.L.S.4, col 690-693 (Druckfehler:593). Die Supplementb&auml;nde zur P.L. sind von A.Hamman in Paris 1958-1974 herausgegeben worden.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Ich bin wieder da!</title>
		<link>http://www.al-fresko.ch/2007/10/11/ich-bin-wieder-da/</link>
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		<pubDate>Thu, 11 Oct 2007 13:20:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marese Sennhauser</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Persönlich]]></category>

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		<description><![CDATA[
Marese unplugged
Sieht doch besser aus als das geschleckte Bild am Anfang, nicht wahr?
Nach einer langen Schreibpause bin ich wieder da. Im August ging ich lustvoll und recht motiviert ans Werk, nachdem ich mich mit dem neuen Bildband zu M&#252;stair gr&#252;ndlich auseinandergesetzt hatte. Ich verfasste zwei Posts, die ich nachtr&#228;glich - das heisst gestern - nochmals [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p align="center"><img height="267" alt="d 164 31 ADede2002" src="http://www.al-fresko.ch/wp-content/uploads/2007/10/d164-31adede2002.jpg" width="401" /></p>
<p align="center">Marese unplugged</p>
<p align="center">Sieht doch besser aus als das geschleckte Bild am Anfang, nicht wahr?</p>
<p>Nach einer langen Schreibpause bin ich wieder da. Im August ging ich lustvoll und recht motiviert ans Werk, nachdem ich mich mit dem neuen Bildband zu M&uuml;stair gr&uuml;ndlich auseinandergesetzt hatte. Ich verfasste zwei Posts, die ich nachtr&auml;glich - das heisst gestern - nochmals &uuml;berarbeitet habe. (Bitte zur&uuml;ckscrollen und nachlesen!) Im September genoss ich den Sommer und fuhr wiedereinmal nach Graub&uuml;nden und dar&uuml;ber hinaus in den Vinschgau. Die wiederer&ouml;ffnete Bahnlinie nach Meran und Bozen erlaubt im Gegensatz zur stets verstopften Autostrasse ein gen&uuml;ssliches Reisen. Wieder daheim in Basel war ich zuerst faul und dann total frustriert: mein Blog war aus dem Netz verschwunden! Aus! Fertig!<br />
<span id="more-142"></span><br />
Mein neuer ch-Server hat meine Dateien (versehentlich?) gel&ouml;scht. Ich dachte an Sabotage! Warum nur bin ich aus dem Google blogspot.com ausgestiegen? Warum habe ich der Schweizer Pr&auml;zisions-Arbeit vertraut? Ich wollte niemehr etwas schreiben. Schluss mit dem ganzen akademischen Kleinkram. Nur noch Lesen oder Jodeln&#8230; Aber siehe da! Heil dir Helvetia, hast noch der S&ouml;hne ja, freudvoll zum Streit!! Der eine hat mich getr&ouml;stet, der andere hat die Sache fluchend geflickt und wieder aufgestellt. Und nun blogge ich wieder los - denn ich habe schon was zu sagen!</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Zwei kontroverse Meinungen zum ersten Bildfeld im Davidszyklus von M&#252;stair</title>
		<link>http://www.al-fresko.ch/2007/09/03/zwei-kontroverse-meinungen-zum-ersten-bildfeld-im-davidszyklus-von-mstair/</link>
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		<pubDate>Mon, 03 Sep 2007 21:47:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marese Sennhauser</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Müstair]]></category>

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		<description><![CDATA[Deutung bei Goll/Exner: Samuel kommt zu Isai nach Betlehem um einen von dessen S&#246;hnen zum K&#246;nig zu salben (1 Sam 16, 1-13). Also: Davids Salbung. (Exner, S.93 mit A.30) Dazu nennt Exner 2 Bilder aus byzantinischen Handschriften des 10. und 11.Jh. M&#220;STAIR, Verlag Neue Z&#252;rcher Zeitung (NZZ Libro) 2007, S.92f (Exner), S.116 (Goll).
Deutung bei Sennhauser-Girard: [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Deutung bei Goll/Exner: Samuel kommt zu Isai nach Betlehem um einen von dessen S&ouml;hnen zum K&ouml;nig zu salben (1 Sam 16, 1-13). Also: Davids Salbung. (Exner, S.93 mit A.30) Dazu nennt Exner 2 Bilder aus byzantinischen Handschriften des 10. und 11.Jh. M&Uuml;STAIR, Verlag Neue Z&uuml;rcher Zeitung (NZZ Libro) 2007, S.92f (Exner), S.116 (Goll).</p>
<p>Deutung bei Sennhauser-Girard: Samuel kommt nach Gilgal, trifft Saul beim Darbringen eines Opfers, tadelt ihn deswegen und prophezeit ihm, dass Gott einen andern zum K&ouml;nig erw&auml;hlt hat ( 1 Sam 13, 7-14). Also: Sauls Opfer und Verwerfung.  Die Salbung Davids war, wie ich meine, erst im jetzt verlorenen zweiten Bildfeld dargestellt, denn im Bildprogramm von M&uuml;stair geh&ouml;ren je zwei Bilder sinngem&auml;ss als Paar zusammen. Ihre Aussagen sind aufeinander bezogen. (Siehe dazu in diesem Blog meinen Post vom August 2006. N&auml;heres zum gesamten Davidszyklus habe ich in einem unver&ouml;ffentlichten Aufsatz von 2003 zusammengestellt, der  demn&auml;chst erscheinen soll.)</p>
<p>Dazu zeige ich hier die entsprechende Szene aus einer fr&uuml;hchristlichen lateinische Bilderhandschrift, die um 400 oder Anfangs des 5.Jh. in Italien geschaffen worden ist:</p>
<p align="center"><img height="267" alt="Samuel verwirft Saul0096B" src="http://www.al-fresko.ch/wp-content/uploads/2007/09/samuelverwirftsaul0096b.jpg" width="263" /></p>
<p align="center"><em>Sauls Opfer in der sogenannten <strong>Quedlinburger Itala</strong> (theol.lat. fol. 485) in der Staatsbibliothek in Berlin.</em></p>
<p>Von dieser einst dicht und textnah illustrierten christlichen Handschrift des sp&auml;ten 4. oder fr&uuml;hen 5.Jh. sind leider nur wenige Seiten - Text und Bilder auf separaten Bl&auml;ttern  - erhalten. Das obige Bild zeigt eine von vier aufeinanderfolgenden Szenen zum altlateinischen Text von 1  Sam.15, 1-33, der in einem interpolierten Satz auf 1 Sam 13 zur&uuml;ckgreift: Der Prophet Samuel verk&uuml;ndet dem K&ouml;nig Saul, dass er wegen seines wiederholten Ungehorsams von Gott verworfen ist.  Hier ist nun aber - eher als die im darauf folgenden Text angef&uuml;hrte Stelle aus 1. Sam. 15 - die vorausgehende Stelle aus 1 Sam 13, 7-14 geschildert: Der Prophet Samuel trifft auf einem zweir&auml;drigen, von 2 Pferden gezogenen Wagen in Gilgal ein, wo Saul soeben eigenm&auml;chtig das dem Propheten vorbehaltene Brandopfer darbringt (es ist hier allerdings als Weihrauchopfer bei einer Stele dargestellt). Die Aufnahme ist undeutlich; im Original in der Berliner Handschrift ist Samuel links oben vor der Architekturkulisse noch schwach zu erkennen.</p>
<p><span id="more-135"></span></p>
<p>Das entsprechende Bild im Dachstock der Kirche von M&uuml;stair ist so schlecht erhalten, dass ich hier auf eine Abbildung verzichte. Man kann es in meinem Post vom 29.8.06 aufrufen (Im Archiv). Auch im M&uuml;stair- Buch von Goll/Exner gibt die Foto wenig her. Dort wird die Szene als Davids Salbung im Kreis von Vater und Br&uuml;dern bezeichnet, Samuel links aussen- man sieht nur die Sch&auml;delkalotte auf der H&ouml;he des Architravs der Hintergrundarchitektur - als &#8220;&uuml;bergrosse Gestalt&#8221;, und der junge David wird in der zerst&ouml;rten Bildmitte vermutet; als Sehhilfe wird auf eine byzantinische Handschrift aus dem 10.Jh.verwiesen (Pariser Psalter, B.N. gr. 139).</p>
<p>Es folgt nun nochmals meine Beschreibung des 1.Bildfeldes oben links an der S&uuml;dwand der Kirche von M&uuml;stair (es befindet sich heute &uuml;ber dem gotischen Gew&ouml;lbe im Dachstock und ist nur nach einer abenteuerlichen Kletterpartie zu sehen).</p>
<p>Erstaunlicherweise beginnt der Davidszyklus ohne David! Oder besser gesagt: David ist nur in Samuels Gedanken anwesend. Das bedeutet auch hier wieder, dass man durch das Bild auf den Text verwiesen wird. Die Szene zeigt die Ankunft des Propheten Samuel in Gilgal wo er Saul bei der Darbringung eines Brandopfers &uuml;berrascht. Links aussen sah man einst Samuel, der auf einem zweir&auml;drigen Wagen angefahren kommt, so dass sein Kopf in den Architrav eines Geb&auml;udes hinaufragt und sein faltenreicher roter Mantel nach hinten ausschwingt. Vom Karren ist noch ein Rad schwach zu erkennen, die Pferde aber sind g&auml;nzlich verschwunden. In der Bildmitte muss der stelenartige Rauchopferaltar gestanden haben, weil er die Anwesenheit Gottes symbolisiert. Rechts daneben steht K&ouml;nig Saul im Feldherrengewand, die rechte Hand &uuml;ber dem Altar ausgestreckt, den Kopf zur&uuml;ckblickend leicht gedreht, und rechts aussen ist eine Gruppe junger M&auml;nner relativ gut erhalten; einer scheint sich zum Weggehen anzuschicken. Die Szene illustriert 1 Samuel 13, 1-15 und ihre Aussage gipfelt in Samuels vielzitiertem Satz: T&ouml;richt hast du gehandelt. H&auml;ttest du Gottes Befehl befolgt, so h&auml;tte er dein K&ouml;nigtum &uuml;ber Israel f&uuml;r immer best&auml;tigt. Nun aber wird dein K&ouml;nigtum keinen Bestand haben. <em><strong>Gott hat sich einen Mann nach seinem Herzen gesucht, den hat er zum F&uuml;rsten &uuml;ber sein Volk bestellt</strong> .</em> - Der Mann nach Gottes Herzen ist David, dessen Salbung zum sakralen K&ouml;nigtum im folgenden Bildfeld Nr 2 dargestellt war, das leider ganz zerst&ouml;rt ist. Warum ich das so k&uuml;hn behaupten kann? - Weil in M&uuml;stair stets zwei aufeinanderfolgende Bilder inhaltlich aufeinander bezogen sind (der hebr&auml;ische Sinnreim!) und weil dank der gleichm&auml;ssigen Rasteranordnung die Wand zur Lehrtabelle wird, wo sich auch senkrechte Verbindungen ergeben: senkrecht unter Nr.1 und Nr.2 finden sich im dritten Register Nr.37: die Begegnung zwischen Johannes und Jesus (dem Davids Spross und Mann nach Gottes Herzen) und Nr.38: die Taufe Jesu durch Johannes wo er mit der Geistkraft Gottes (symbolisiert durch eine Taube) gesalbt wird.</p>
<p>Die sakrale K&ouml;nigssalbung, die der Hausmeier Pippin, Karls des Grossen Vater, durch Papst Stephan empfangen hat, ist nach diesem alttestamentlichen Ritual gestaltet und wie dort ist sie nicht nur als g&ouml;ttliche Beauftragung und Heiligung gedacht, sondern unterstreicht zugleich den Dynastiewechsel von den Merowingern zu den Karolingern (A.Angenend im Buch: der Dynastiewechsel von 751. in Scriptorium 2004). Auch dort ist nun im liturgischen Text &#8220;vom Mann nach Gottes Herzen&#8221; die Rede! Beginnt darum in M&uuml;stair das Bildprogramm im Saal nicht mit der Salbung Davids, sondern mit der Verwerfung K&ouml;nig Sauls? denn auch 774 hat in Pavia ein Dynastiewechsel stattgefunden als der Frankenherrscher Karl sich zum K&ouml;nig der Langobarden erkl&auml;rte und Desiderius - Christ wie er - in die Klosterhaft schickte. Aber ich greife vor. Es kann hier im ersten Programmentwurf der 770er Jahre, wo David als der Prototyp Christi gezeichnet wurde, auch bloss - nach allegorischer Auslegung- der Wechsel vom Alten zum Neuen Bund gemeint gewesen sein. Zur Zeit der Ausf&uuml;hrung der Malerei, nach 785, ist allerdings wohl Karl der Grosse als ein neuer David schon mitgemeint.</p>
<p>&Uuml;brigens gibt es in einem <strong>Homiliar, das der langobardische Gelehrte, Paulus Diaconus,</strong> <strong>im Auftrag Karls des Grossen vor 787</strong> <strong>zusammengestellt hat</strong> , zwei Predigten von Johannes Chrysostomus zur Davidsgeschichte (verfasst um 400 in Antiochia und im 5.Jh. ins Lateinische &uuml;bersetzt ). Die erste tr&auml;gt den Titel: von David und Goliat, beginnt aber mit dem Satz: &#8220;als Gott beschlossen hatte David zum K&ouml;nig &uuml;ber sein Volk zu machen &#8230;&#8221; und handelt nicht nur vom Goliat-Kampf, sondern erw&auml;hnt auch die Verwerfung K&ouml;nig Sauls, die Salbung Davids und (viele Jahre sp&auml;ter) Sauls Tod durch das Schwert; vielleicht hat dieser Text als Programm f&uuml;r die Bilderfolge zu David in der karolingischen Kirche von M&uuml;stair gedient?</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Goll/Exner/Hirsch: &#8220;M&#252;stair. Die mittelalterlichen Wandbilder in der Klosterkirche&#8221;  Z&#252;rich 2007</title>
		<link>http://www.al-fresko.ch/2007/08/23/gollexnerhirsch-mstair-die-mittelalterlichen-wandbilder-in-der-klosterkirche-zrich-2007/</link>
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		<pubDate>Thu, 23 Aug 2007 09:26:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marese Sennhauser</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Müstair]]></category>

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		<description><![CDATA[Nun ist es da! Es ist ein sch&#246;nes Buch geworden. N&#252;tzlich sind vor allem die Falttafeln. Was die Texte angeht, so bin ich des &#246;fteren anderer Meinung. Das war zu erwarten und ist auch gut so, denn eine Diskussion belebt die Szene. Wer hie und da in meinen Blog geschaut hat weiss, dass ich der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nun ist es da! Es ist ein sch&ouml;nes Buch geworden. N&uuml;tzlich sind vor allem die Falttafeln. Was die Texte angeht, so bin ich des &ouml;fteren anderer Meinung. Das war zu erwarten und ist auch gut so, denn eine Diskussion belebt die Szene. Wer hie und da in meinen Blog geschaut hat weiss, dass ich der Meinung bin, dass die Wandeinteilung des Dekorationssystem untrennbar zur Architektur geh&ouml;rt und dass das Bildprogramm wohl in grossen Z&uuml;gen gleichzeitig in Auftrag gegeben wurde wie der Bau. Sch&ouml;n sagt das J&uuml;rg Goll in einem ersten &Uuml;berblick auf Seite 47: &#8220;Die Wandbilder sind in die Klosterkirche hineinkomponiert. Als Teil eines Gesamtkunstwerkes setzen sie die Vorstellung des Raumes und die Kenntnis des architektonischen Zusammenhangs voraus.&#8221; In der Zeittabelle auf S.43 aber steht:</p>
<p><span id="more-134"></span></p>
<blockquote>
<p>775<strong>:</strong> Baubeginn des Klosters (F&auml;lldatum des &auml;ltesten erfassten Bauholzes).</p>
<p>1. H&auml;lfte des 9. Jh<strong>.:</strong> Freskenzyklus in der Klosterkirche.</p>
</blockquote>
<p>Das entspricht etwa meiner Meinung vor vielen Jahren, als ich noch nicht wusste, was ich jetzt weiss und die Ausmalung der Klosterkirche im 1.Viertel des 9.Jh. ansetzte. Ich pr&auml;zisiere: Die Dendrochronologie bezieht sich auf das Holz im Dachgiebel der Kirche; diese war somit bald nach 775 fertig gebaut und wurde aussen und innen verputzt; dass die erste Putzschicht bei Beginn der Freskierung schon etwas verschmutzt war, l&auml;sst den Schluss zu, dass die Maler ihr Werk etwa 10 Jahre sp&auml;ter in Angriff nahmen. Aber Matthias Exner glaubt in seinem Essai &uuml;ber <em>&#8220;Das Bildprogramm der Klosterkirche im historischen Kontext&#8221;</em>, dass die Bilderfolge in M&uuml;stair erst in den beiden Jahrzehnten nach 830 geschaffen worden ist (S. 109 mit A.178 und 179). Pikanterweise meint auch er, &#8220;dass prim&auml;r die &Uuml;berlegungenzur Szenenauswahl des Davidszyklus dazu eine Basis bieten&#8221;. Nun wird es tats&auml;chlich spannend &#8230;</p>
<p>Sollte die von Karl dem Grossen gestiftete Klosterkirche also w&auml;hrend mehr als 50 oder 70 Jahren &#8220;nackt&#8221; geblieben sein? Ich habe Gr&uuml;nde, das zu bezweifeln! Ich werde darum in den n&auml;chsten Wochen hier nochmals darlegen, warum ich die Fresken in die Jahre zwischen 785 und 795 datieren m&ouml;chte. Der Davidszyklus des obersten Registers an den drei glatten W&auml;nden des Saales liefert auch mir dazu die Hauptargumente. Sie sind einerseits in der Ikonographie begr&uuml;ndet, andererseits aber auch im Stil. Exner h&auml;lt sich bei seiner Sp&auml;tdatierung an die Darlegungen von Caecilia Davis Weyer im 1. Band von Carlo Bertellis Il millennio ambrosiano (1987) mit dem Titel: M&uuml;stair, Milano e l&#8217; Italia carolingia, p.202 -237. Ich hingegen kann mich mit den dort herangezogenen Stilvergleichen kaum anfreunden. Doch davon soll sp&auml;ter die Rede sein.</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>3. Register des Weltgerichts: die Scheidung von  Seligen und  Verdammten</title>
		<link>http://www.al-fresko.ch/2007/06/18/3-register-des-weltgerichts-die-scheidung-von-seligen-und-verdammten/</link>
		<comments>http://www.al-fresko.ch/2007/06/18/3-register-des-weltgerichts-die-scheidung-von-seligen-und-verdammten/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 18 Jun 2007 10:53:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marese Sennhauser</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Müstair]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.al-fresko.ch/2007/06/25/das-zeichen-der-entscheidung-trennt-die-seligen-von-den-verdammten-die-entweder-ins-paradies-einziehen-oder-in-die-hlle-strzen/</guid>
		<description><![CDATA[


Weltgericht: Schema der erhaltenen Teile; noch nicht eingezeichnet sind hier die sp&#228;rlichen Fragmente von Strafengeln und jammernden Menschengruppen in der rechten Bildh&#228;lfte.
Obwohl der Einbau der Empore dieses Register weitgehend zerst&#246;rt hat, meine ich auf Grund der sp&#228;rlichen Reste einiges zur Komposition sagen zu k&#246;nnen. Ja ich wage sogar den Versuch die fehlende Mitte zu rekonstruieren [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p align="center"><a href="http://www.al-fresko.ch/wp-content/uploads/2007/06/weltgericht008843.jpg"></a></p>
<p align="center"><a href="http://www.al-fresko.ch/wp-content/uploads/2007/08/westwandschemaneu-1.png"><img height="375" alt="Westwandschema neu" src="http://www.al-fresko.ch/wp-content/uploads/2007/08/westwandschemaneu-1-small.png" width="450" /></a></p>
<p align="center">
<em>Weltgericht: Schema der erhaltenen Teile; noch nicht eingezeichnet sind hier die sp&auml;rlichen Fragmente von Strafengeln und jammernden Menschengruppen in der rechten Bildh&auml;lfte.</em></p>
<p>Obwohl der Einbau der Empore dieses Register weitgehend zerst&ouml;rt hat, meine ich auf Grund der sp&auml;rlichen Reste einiges zur Komposition sagen zu k&ouml;nnen. Ja ich wage sogar den Versuch die fehlende Mitte zu rekonstruieren auf welche hin sich die Scharen der Auferstandenen von beiden Seiten her abw&auml;rts schreitend, hinbewegen. Die schon bekannte Strichzeichnung mag helfen, die beiden Fotos mit den von grossen Engeln begleiteten Menschen links im Bild zu orten; auch rechts gibt es unterhalb der Apostel noch schwache Spuren einer Menschengruppe. Die beiden schr&auml;g verlaufenden rotbraunen &#8220;Balken&#8221; treffen, wenn man sie in ihrem Verlauf verl&auml;ngert, nicht in der Mitte des Bildstreifens zusammen. Sie sind also nicht als geometrische Unterteilung des Bildfeldes zu verstehen, sondern deuten vielleicht zwei Bergh&auml;nge an auf denen kleine Menschlein, von Schutzengeln getr&ouml;stet (links, also zur Rechten des Richters) oder von Engeln mit Lanzen zur&uuml;ckgetrieben (rechts, also zur Linken Christi) hinter einer Mauer (?) auf ein nicht erhaltenes &#8220;Zeichen der Entscheidung&#8221; zustreben.</p>
<p><span id="more-121"></span></p>
<p>Hier, auf der senkrechten Mittelachse des gesamten Bildes, befindet sich im mittleren Register Christus auf dem Richterthron. (Zieht man die Diagonalen durch den Mittelpunkt seines Kreuznimbus, so sieht man, dass dieser der Ausgangs- und Angelpunkt der ganzen Komposition ist, welche sinngem&auml;ss auch die drei Davidsbilder im obersten, heute nicht mehr sichtbaren Streifen, in die Aussage einbezieht: Nathans Prophezeihung vom ewigen Thron des Davidssprosses.)</p>
<p align="center"><img height="363" alt="Menschen mit Engeln0091klein" src="http://www.al-fresko.ch/wp-content/uploads/2007/06/menschenmitengeln0091klein-3.jpg" width="253" /></p>
<p>
<em>Links aussen, also zur Rechten des Richters: Scharen von ver&auml;ngstigten Lebenden und Auferstandenen. Ein grosser Engel geleitet kleine Menschen liebevoll hinab, hin zum Zeichen der Entscheidung im Zentrum unter dem Thron Christi</em></p>
<p align="center"><img height="310" alt="Menschen mit EngelnB0092C" src="http://www.al-fresko.ch/wp-content/uploads/2007/06/menschenmitengelnb0092c-1.jpg" width="400" /></p>
<p>
<em>Etwas tiefer, gegen die Mitte hin, k&uuml;mmern sich weitere Engel um die dichtgedr&auml;ngte Menschenschar; einer legt einem die Hand auf den Kopf, ein anderer breitet sch&uuml;tzend den rechten Arm um eine Gruppe - h&auml;lt er zudem noch eine offene Schriftrolle?- und weist mit der Linken nach oben zum Richter. Und ganz rechts aussen - zerst&ouml;rt bis auf eine bunte seitlich ausschwingende Fl&uuml;gelspitze und den gewinkelten, nach oben akklamierend erhobenen rechten Arm- stand wohl einer der beiden W&auml;chterengel neben dem verlorenen Heils- und Entscheidungszeichen: dem Leidenskreuz oder dem Gotteslamm auf dem Paradiesh&uuml;gel mit den vier Quellen, oder dem &#8220;Lamm inmitten des Thrones&#8221;.</em></p>
<p>Denn das Kreuz ist nach Ambrosius Auitpertus der Thron des Lammes. Die offenen Schriftrollen meinen wohl das Buch des Lebens, aber nicht als Verzeichnis der guten und schlechten Taten, sondern im Sinn der heidnischen (und dann auch fr&uuml;hchristlichen) Sepulkralplastik, das erlebte, erfahrene, erlittene Leben jedes einzelnen; zu finden z.B. auf ravennatischen Sarkophagen des 4./5.Jh., was wiederum zeigen mag, dass die Bilderwelt des M&uuml;stairer Zyklus mit Vorliebe auf fr&uuml;he - als authentisch gewertete - Vorbilder und Anregungen zur&uuml;ckgreift.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Solche Schutzengel finden sich auch in sp&auml;teren plastischen Werken, etwa im romanischen Weltgericht am Westportal der Kirche St.Lazare in Autun im Burgund (12.Jh) und im Cavallini-Gerichtsfresko in S.Cecila in Rom (13.Jh), sowie gelegentlich in der Buchmalerei.</p>
<p>Der W&auml;chterengel mit bunten Schwingen befindet sich &uuml;brigens nicht in der Mitte unter dem Richterthron, sondern unter dessen linker Ecke. Es muss also einen zweiten unter der rechten Ecke gegeben haben - und zwischen beiden das Erl&ouml;serkreuz (vielleicht mit dem Lamm im Zentrum?)!</p>
<p>Rechts im Bildstreifen ist noch ein Fragment eines Strafengels zu sehen; und unterhalb der zur linken Christi thronenden Apostel eine weitere Menschengruppe von der ich aber kein Foto habe. Es muss sich um die Abzuweisenden handeln, die stehen bleiben weil sie das Zeichen der Erl&ouml;sung, das Kreuz des Lammes, nicht anerkennen. Unterhalb des schr&auml;gen Balkens (des Berghangs oder der Mauer?) sieht man den zackigen Rand des H&ouml;llenabgrunds. Dieser, sowie auch das Paradies auf der andern Seite, ist g&auml;nzlich verloren. So weiss man leider nicht ob der Ort f&uuml;r die Seligen der ummauerte Paradiesgarten mit der thronenden Gottesmutter und den alttestamentlichen Patriarchen war, oder die feste Stadt, das himmlische Jerusalem der geheimen Offenbarung.</p>
<p>Die drei Registerstreifen sind, obwohl als fortlaufende Erz&auml;hlung gedacht und - zumindest oben - von links nach rechts zu lesen, als Zentralkompositionen angelegt. Zudem sind sie durch den breiten Ornamentrahmen zu einer Einheit zusammengefasst und f&uuml;r Bewegungen und Gesten der Figuren nach unten oder nach oben durchl&auml;ssig. So ergibt sich trotz der Parzellierung schliesslich ein einziges grosses Bild <strong>mit einer betonten senkrechten Mittelachse.</strong> Man sah also in der Mitte der Westwand von oben nach unten: Die Verheissung an David - das siegreiche Kreuz als Zeichen des Menschensohnes - den Menschensohn auf dem Richterthron - das &#8220;Zeichen der Entscheidung&#8221;: das Holz des Heils (mit dem Lamm?) zwischen zwei Engeln - und schliesslich noch, ebenfalls auf dieser Bedeutungsachse unterhalb des Weltgerichtsbildes, ein karolingisches &#8220;Fenster&#8221;, das kein Licht von aussen empfing! Sollte das 2003 neu gefundene Rundbogenfenster unten in der Westwand den symbolischen Thron des irdischen Herrschers und weltlichen Stellvertreters Christi, also Karls des Grossen, umfangen haben?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ich zeige nun noch einige m&ouml;gliche Darstellungen des Kreuzes als Zeichen der g&ouml;ttlichen Barmherzigkeit und Ort der Glaubensentscheidung</p>
<p align="center"><img height="381" alt="KreuzreliefM&uuml;stair0094klein" src="http://www.al-fresko.ch/wp-content/uploads/2007/06/kreuzreliefmuestair0094klein.jpg" width="300" /></p>
<p></p>
<p align="center"><em>Ein im Plantaturm im Klosterareal von M&uuml;stair gefundenes karolingisches Marmorrelief mit dem Lamm im Erl&ouml;serkreuz mag andeuten wie man sich das verlorene &#8220;Zeichen der Entscheidung&#8221; im untersten Register des Weltgerichts vorstellen k&ouml;nnte (ohne die Begleitfiguren</em> )</p>
<p></p>
<p>Sehr viele der sp&auml;teren Weltgerichtsdarstellungen zeigen n&auml;mlich unterhalb vom verherrlichten Christus auf dem Thron entweder das &#8220;Holz des Heils&#8221;, das Leidenskreuz, oder ein Kreuz auf einem Altar (westliches Aequivalent der &ouml;stlichen Etimasia) als Hinweis auf den Opfertod des &#8220;Lammes&#8221;. Ich beschr&auml;nke mich hier auf zwei solche Bilder: Die Bronzet&uuml;r von San Zeno in Verona und das Gerichtsbild von Giotto in der Arenakapelle in Padua</p>
<p align="center"><img height="295" alt="Verona Kreuzunter Chr0093A" src="http://www.al-fresko.ch/wp-content/uploads/2007/06/veronakreuzunterchr0093a.jpg" width="225" /></p>
<p></p>
<p align="center"><em>Bronzet&uuml;r von San Zeno in Verona, 11.Jh</em></p>
<p></p>
<p align="center">Kein vollst&auml;ndiges Weltgericht, sondern Christus als Erl&ouml;ser in seiner Herrlichkeit</p>
<p></p>
<p align="center">
<p></p>
<p align="center"><img height="314" alt="Giotto Gericht0088klein" src="http://www.al-fresko.ch/wp-content/uploads/2007/06/giottogericht0088klein.jpg" width="225" /></p>
<p></p>
<p align="center"><em>Giottos Weltgerichtsbild in Padua (Anfangs des 14.Jh.)</em></p>
<p></p>
<p align="center">Hier haben wir es nicht mehr mit einer Abfolge von Ereignissen zu tun, sondern mit einem in einem Blick zu erfassenden Schau-Bild. <strong>Oben</strong> rollen zwei Engel das Firmament zusamen, <strong>unten</strong> stehen die Toten aus ihren Gr&auml;bern auf. Dazwischen das Kreuz zwischen zwei Engeln als Zeichen der Entscheidung und beidseits davon das Paradies (nicht ein Ort, sondern die selige Schau der zu Christus hinaufstrebenden Heiligen und irdischen Menschen) und die gen&uuml;sslich geschilderte H&ouml;lle mit Teufeln und thronendem Satan im Feuerstrom, der vom Richterthron ausgeht.</p>
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		<title>2. Register des Weltgerichts: Das eigentliche Tribunal</title>
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		<pubDate>Sat, 16 Jun 2007 15:34:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marese Sennhauser</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Müstair]]></category>

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		<description><![CDATA[
M&#252;stair Westwand: Weltgericht, zweiter Streifen, Mitte: Jesus, der Menschensohn und Davidsspross hat auf dem Richterthron Platz genommen. Er ist von einer kreisrunden, irisierenden Gloriole und von einer Schar von Engeln mit vielfarbigen Nimben (Lichtwesen!) umgeben. Oben und unten ist das Bild von einem sp&#228;tgotischen Fenster und einer als Zugang zur Nonnenempore eingebrochenen T&#252;r besch&#228;digt. Darunter [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p align="center"><a href="http://www.al-fresko.ch/wp-content/uploads/2007/06/tribunalundurteil0086.jpg"><img src="http://www.al-fresko.ch/wp-content/uploads/2007/06/tribunalundurteil0086-small.jpg" style="width: 406px; height: 573px" alt="Tribunal und Urteil0086" align="absmiddle" border="0" height="614" hspace="5" vspace="5" width="440" /></a></p>
<p align="center"><em>M&#252;stair Westwand: Weltgericht, zweiter Streifen, Mitte: Jesus, der Menschensohn und Davidsspross hat auf dem Richterthron Platz genommen. Er ist von einer kreisrunden, irisierenden Gloriole und von einer Schar von Engeln mit vielfarbigen Nimben (Lichtwesen!) umgeben. Oben und unten ist das Bild von einem sp&#228;tgotischen Fenster und einer als Zugang zur Nonnenempore eingebrochenen T&#252;r besch&#228;digt. Darunter ist schon das dritte Register mit der Scheidung von Guten und B&#246;sen zu sehen.</em></p>
<p align="center">&nbsp;</p>
<p>Das eigentliche Tribunal: die Beratung der Apostel, der Spruch des Richters und die Ausrufung des Urteils durch zwei Gerichtsschreiber-Engel.</p>
<p><span id="more-109"></span></p>
<p>Christus, der Menschensohn (Gottessohn und Davidsspross), umringt von seinem himmlischen Hofstaat und flankiert von den zw&#246;lf Aposteln, thront mit ausgebreiteten Armen im Zentrum des Mittelstreifens. Sein Sitz ist ein lehnenloser, mit einem Kissen belegter Truhenthron. Die rechte Hand ist einladend ge&#246;ffnet, die linke abweisend nach unten gesenkt. Diese annehmende und verwerfende Geste findet sich schon im fr&#252;hchristlichen symbolischen Weltgericht mit Schafen und B&#246;cken und noch in Giottos Gerichtsbild, w&#228;hrend Christus sp&#228;ter meist mit ausgebreiteten H&#228;nden die Wundmale vorweist (Hinweis auf Erl&#246;sung und Barmherzigkeit)! Gleichzeitig wird der Urteilsspruch nach Matth.25, 34-46 von den beiden vordersten Engeln in byzantinischer Hoftracht auf ge&#246;ffneten Schriftrollen kundgetan (Schrift allerdings nicht erhalten). Man vergleiche die Strichzeichnung nach dem Weltgerichtsbild von S.Angelo in Formis im gestrigen Post: Dort sind die, die Schriftb&#228;nder haltenden Engel unterhalb des Thrones zu sehen; auf dem Pergament des Mittleren steht: Zeit wird es nicht mehr geben (Anstatt der Einrollung des Himmels und der ganzen Parusie-Szene).</p>
<p>Die 12 Apostel, die als Vertreter der Gesamtkirche als Geschworene und Mitrichter amten, sitzen beidseits auf langen, von Arkaden hinterfangenen und mit Suppedaneum ausgestatteten B&#228;nken. Sie sind nicht steif und feierlich gereiht, sondern als verschr&#228;nkte Paare gruppiert und einander in rhythmischer Bewegung im Gespr&#228;ch zugewandt:</p>
<p align="center"><a href="http://www.al-fresko.ch/wp-content/uploads/2007/06/apostelimgericht0087.jpg"><img src="http://www.al-fresko.ch/wp-content/uploads/2007/06/apostelimgericht0087-small.jpg" alt="Apostel im Gericht0087" height="348" hspace="5" vspace="5" width="450" /></a></p>
<p align="center"><em>zweiter Streifen rechts: 4 der 6 zur Linken des Richters wie antike Philosophen diskutierenden Apostel (ein weiterer ist hinter dem gotischen Wandpfeiler verschwunden.</em> <em>Ebenso beeindruckend sind die 6 links zur S&#252;dwand hin auf ihrem Synthronon sitzenden Begleiter des Herrn. Ein Beweis f&#252;r die sichere Gestaltungskraft des leitenden Meisters der Fresko-Werkstatt. (Man denke an die verschr&#228;nkten Gruppen des Himmelfahrtsbildes an der gegen&#252;berliegenden &#246;stlichen Stirnwand.</em></p>
<p>Leider bringt man die ganze Zw&#246;lferreihe nicht auf einer Foto unter, sonst w&#228;re der Beweis leicht zu erbringen, dass man hier ein ganz hervorragendes Werk grosser Freskomalerei vor sich hat. Und selbst wenn man Zutritt zur Nonnenempore bek&#228;me, h&#228;tte man nicht den n&#246;tigen Abstand um die ganze Komposition in den Blick zu bekommen. Die gleiche gestalterische und malerische Qualit&#228;t hat &#252;brigens das Himmelfahrtsbild zuoberster an der Ostwand; aber auch dieses ist nur dem Besucher zug&#228;nglich, der die Kletterpartie in den Dachstock &#252;ber den Gew&#246;lben wagt. Immerhin sind die ebenfalls grossartigen Darstellungen der Mittel- und der Nordapsis noch zu sehen. Und wer &#252;ber gen&#252;gend Phantasie verf&#252;gt, mag sich das &#252;berw&#228;ltigende Erlebnis der eindr&#252;cklichen Bilderschau im einst ungeteilten Saal vorstellen&#8230;Ob das mit einer Video-Installation vielleicht m&#246;glich gemacht werden k&#246;nnte?</p>
<p>Hier schliesslich noch der Titulusvers der Carmina Sangallensia, der das Richterkollegium im fast 100 Jahre j&#252;ngeren Weltgerichtsbild in der verschwundenen Gozbertbasilika in St.Gallen beschreibt:</p>
<p>&#8220;Hier sitzen die h&#246;chsten Heiligen mit Christus, dem Richter, um die Frommen zu rechtfertigen und um die B&#246;swilligen in den Abgrund zu verweisen.&#8221;</p>
<p>Der nicht mehr lesbare Titulusstreifen des Gerichtsbildes von M&#252;stair findet sich &#252;brigens nicht etwa unter der Gesamtansicht, sondern unter dem eben besprochenen mittleren Register! Er gilt also f&#252;r das ganze Gem&#228;lde ( mit Vorzeichen oben und mit Vollstreckung des Urteils unten)</p>
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