17. September 2006 von Marese Sennhauser

(Zeichnung: hintere Umschlagklappe im Schweizerischen Kunstführer 733/34, 2003)
Warum wurde das Himmelfahrtsbild an einer so ungünstig scheinenden Stelle und erst noch im Querformat platziert?
Die Antwort ist einfach: Weil sie vom Gesamtprogramm aus gedacht hier ihren Platz finden musste. Die Darstellung ist zugleich Erzählung und dogmatische Metapher. Der Bericht von der Himmelfahrt Jesu enthält ja die Zusage von der Geistsendung(Apg 1,8), weist also auf das Pfingstereignis hin und deutet so den Anfang der Institution Kirche an. Und von der Kirche in Rom, in der Ostalpenregion, und endlich auf der ganzen Erde, handeln die Bilder in den drei Apsiden.
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14. September 2006 von Marese Sennhauser

Triumphbogen mit Christi Himmelfahrt über den Apsiden (Büro Sennhauser, Zurzach)
Ostwand über den Apsiden
Nr 85/86/87 (zentriert): Christi Himmelfahrt (Mt 26,16-20 und Apg 1, 4-11)
Das Himmelfahrtsbild ist heute vom Kirchenraum aus nicht mehr zu sehen, denn es befindet sich wie die Davidsbilder über den gotischen Gewölben im Dachstock (oder – wenigstens seine oberste Farbschicht - im Landesmuseum in Zürich). Diese grossartig gestaltete Komposition mit bewegten, sich überschneidenden Figurengruppen und einem in den Ornamentrahmen hinaufragenden Mittelteil ist 12,5 Meter lang; sie erstreckt sich oben an der Ostwand quer über alle drei Apsisöffnungen.
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13. September 2006 von Marese Sennhauser
Für wen wurden eigentlich die vielen Bilder in den Klosterkirchen geschaffen?
Gewiss nicht für diejenigen die nicht lesen können, wie immer wieder behauptet wird.
Auch nicht für diejenigen, die sich sonst während der Predigt langweilen würden. Und überhaupt nicht für das einfache Volk, sondern für die Bewohner oder Bewohnerinnen des jeweiligen Klosters.
In Müstair z.B. war die Kirche sogar ursprünglich fast nur dem Konvent vorbehalten, denn sie war einzig von den Klostergebäuden her zugänglich und hatte kein Westportal. Benediktiner-Mönche konnten gewöhnlich lateinisch und z.T. sogar griechisch lesen und schreiben und verfügten über eine gewisses Mass an theologischer Bildung.
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11. September 2006 von Marese Sennhauser

Dieses Bild liefert mir den Schlüssel zu einer möglichen Antwort auf die Frage nach dem oder den Autoren des Bildprogrammes von Müstair! Ikonographisch ist es hochinteressant:
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10. September 2006 von Marese Sennhauser
Der letzte Satz im Text zum vorigen Bild heisst: So wurde die Verschwörung stark, und immer zahlreicher wurde das Volk um Absalom. – Dann folgt ein langer Abschnitt, der Davids Flucht aus Jerusalem schildert, seine Klage beim Aufstieg zum Oelberg, allerlei Unbill, die er zu ertragen hat, mancherlei Intrigen und Umtriebe.
Aber dazu gibt es kein Bild, obwohl weiter unten an der Nordwand Jesu Passion geschildert ist, die mit der Gethsemane-Szene am Ölberg beginnt. Das ist merkwürdig, und ich muss vorausgreifend darauf hinweisen, dass sonst im ganzen Bildprogramm die Szenen nicht nur paarweise zusammengehören, sondern meist auch in der Vertikale zueinander in Beziehung zu setzen sind:
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8. September 2006 von Marese Sennhauser

Bild Nr 14 im Dachstuhl über dem gotischen Gewölbe: David und Absalom. (Foto Bea Ess, Luzern, 2002)
Zemp hat seinerzeit im noch zu besprechenden Bild Nr.19 an der Nordwand die Szene von Absaloms Ende im Baum erkannt; darum hat er danach die anderen 7 Bilder im Sinn der Absalom-Erzählung interpretiert. Diese Benennungen sind bis jetzt unbestritten geblieben. Nachdem, was ich heute weiss, wage ich jedoch einige Änderungen.
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6. September 2006 von Marese Sennhauser

Zeichnung Büro Sennhauser,Zurzach
An der Nordwand finden sich mehrere Bilder zu einer langen Sonder-Erzählung über das Schicksal eines der Davidssöhne namens Absalom(2 Sam 13, 1- 2 Sam 19,9), allerdings ohne deren erschreckendes Vorspiel von der Vergewaltigung der Tamar. Hier ist eine kritische Bemerkung zu der in der neueren kunsthistorischen Literatur weitgehend akzeptierten Spätdatierung des Freskenzyklus fällig. Schon dem Entdecker der Bilder, Josef Zemp, ist eine Lücke im Gang der Erzählung zwischen der Westwand und der anschliessenden Nordwand aufgefallen:
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3. September 2006 von Marese Sennhauser

Wandschema Westwand Müstair (aus: Schweizerische Kunstführer GSK Nr.733/34)
An der Westwand, oberhalb des monumentalen Weltgerichtsbildes, folgen nun weitere drei Davids-Szenen (nicht vier, wie die Nummerierung glauben macht!), von denen die mittlere – wohl einst ein sich über zwei Feldbreiten erstreckendes, überbreites Bild - besonders wichtig war. Sein Mittelteil ist zwar unglücklicherweise wegen eines gotischen Fenstereinbaus gänzlich verloren, der zugehörige Text aber lässt mich annehmen, dass hier einst David im Gespräch mit Nathan zu sehen war, wie er die göttliche Verheissung vom ewigen Thron seines Nachkommen empfängt (2.Sam7,8-16).
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2. September 2006 von Marese Sennhauser
Bevor ich nun die Davidsbilder der Westwand beschreibe, sind ein paar technische Bemerkungen fällig. Wenn ich fähig wäre, Fotos und Zeichnungen einzuscannen, hätte ich das längst gemacht. Es gelingt mir jedoch nicht einmal einen Link zu Bildern im Web zu setzen oder Fotos aus meinen Bilddateien hochzuladen und im Text einzusetzen . Da müssen die Söhne einspringen und die stehen eben nicht immer zur Verfügung. Links und Bilder werden also bei Gelegenheit eingefügt. Ich bitte den geneigten Leser hie und da die älteren Blogs nochmals aufzurufen. Vielleicht findet sich dann nebst einigen Textkorrekturen neu auch das eine oder andere Anschauungsmaterial. Die Rekonstruktion des einstigen einräumigen Dreiapsidensaals und die Wandschemata mit der Nummerierung der Bildfelder sind im neuen Schweizerischen Kunstführer von 2003, Nr.733/734 zu finden (Kostet 12 Fr.), Dort auch alle meine neuen Bildbenennungen, denn hier im Blog führe ich nur an, was dort keinen Platz hatte, oder was ich heute an ganz neuen Erkenntnissen vorzuweisen habe.
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von Marese Sennhauser
Da seit dem letzten Eintrag einige Tage vergangen sind, kehre ich nochmals zurück zum ersten Bild. Auf Grund dessen, was man sieht, muss die korrekte Benennung also lauten:
Nr 1: Sauls Opfer in Gilgal. (1 Sam.13, 7-14)
Das Opfer-Ritual war den Priestern vorbehalten. Dass der königliche Feldherr selber opfert, ist ein Sakrileg, das Samuels Zorn erregt, und zur Aussage führt, dass Sauls Königtum fortan glücklos sein wird und dass Gott an seiner Stelle einen andern erwählt hat. (Einige Abschnitte weiter unten wird man erfahren, dass “dieser Mann nach Gottes Herzen” der junge David ist!) Man könnte die Szene auch als Sauls Verwerfung bezeichnen. Doch diese ist nicht bildlich darstellbar.
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